Sonntag, 16. Oktober 2011


Alles sehr sonderbar

„Ich lach mich kaputt! Robbe schau dir das mal an, das gibt doch gar nicht!“, prustete ich los und schüttelte mich aus vor Lachen.

Inzwischen waren wir, nach einer Reise von über 20 Stunden, in Sao Paulo gelandet und ganz liebevoll von unseren Leitern, Christian und Beatrice Eichwald, und ihren drei Kindern in Empfang genommen worden. Wir bewohnen vorerst, zur Eingewöhnung, ihr niedliches Gästezimmer im Keller des Hauses. Mit viel Verständnis und Ruhe haben sie uns bei unseren ersten Schritten in der chaotischen Großstadt begleitet. Ja, hier dauert eben alles seeeeehr viel länger. Ich glaube, Robbe und ich sollten uns ganz schnell brasilianische Gemütlichkeit und Gelassenheit angewöhnen, denn damit lässt sich der Großstadtdschungel leichter ertragen. Hier gibt es keinen Aldi um die Ecke, die Drogerie und der Bankautomat sind nur mit einer halbstündigen Autofahrt zu erreichen (und das auch nur, wenn man in keinen Stau gerät) und die Preise haben uns bereits bei unserem ersten Einkaufsbummel den Atem verschlagen. Wer will schon für ein klappriges Regal zwischen 40 und 120 Euro zahlen? (An die Nutella-Liebhaber unter uns: ein 150gGlas kostet hier 5,50€!) Schnäppcheneinkauf? Von wegen! ;-)

Und nun standen wir also in einem kleinen Badezimmer. Christian hatte uns, nach einem Besuch in der direkt angrenzenden Favela und dem dort liegenden Kinderraum von „Casa Esperanza“, in eine Seitengasse gefahren. Hier waren wir vor einem blau gefliesten Haus, mit einer türkisfarbenen Eingangstür und Gittern vor den Fenstern, ausgestiegen. „Hier werdet ihr wohnen!“, hatte Christian verkündet und grinsend hinzugefügt: „Eure Vermieterin hatte eine Schwäche für Fliesen!“ Nun ja, das konnten wir an der Fassade des Hauses bereits sehen, aber was wir dann zu sehen bekamen, als er die Haustür öffnete, machte uns sprachlos. Durch einen kleinen gefliesten Zwischenraum gelangten wir, über geflieste Treppen, hinunter zu einem gefliesten Hinterhof. Das gesamte Gebäude, das sich vor und hinter uns erstreckte war mit Fliesen im modernen Backsteinstil ausgelegt.
Und so gelangten wir schließlich über eine weitere geflieste Treppe vor eine blaue Eingangstür und betraten dann einen hellblau getünchten Raum – unser zukünftiges Wohn- und Schlafzimmer (das ist – Gott sei Dank – nicht gefliest). Große, dunkelblaue Kacheln mit einem wirklich schönen Muster finden sich dann in Küche und Bad. Und in letzterem wartete das Highlight dieser Wohnung auf uns:

Robbe drehte sich zu mir um und lachte nun ebenfalls laut los. Noch  nie in unserem Leben hatten wir beide eine pinkfarbene Toilette gesehen. (Und nein, ich rede nicht von Toilettenbrille oder Klodeckel – ich meine das richtige Toilettenbecken!!!)

Es gibt hier also viele Besonderheiten und allerlei (für deutsche Augen und Ohren) Ungewöhnliches zu sehen und zu hören. Aber wir sind sehr dankbar, hier sein zu können. Bereits am Samstag ist unsere Schonfrist;-) zu Ende und wir werden bei dem Kinderfest in der Favela mithelfen. Davon dann im nächsten Brief mehr.



Es grüßen euch herzlich aus Sao Paulo, Robbe und Miriam

3 Kommentare:

Andreas Saerdna hat gesagt…

Na das verspricht doch spannend zu werden ;-)

AntjeMaass hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntjeMaass hat gesagt…

wie gut wie gt das ihr beiden gut angekommen seit.... dann darf ich doch keinen suchtrub losschicken =(


lg antje