Umzug


Das
also ist unsere neue Heimat. Wir bewohnen nun seit Freitag eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung
mit Küche und Bad, in einem Hinterhaus, direkt neben dem Armenviertel, in
welchem wir arbeiten. Das Leben hier verläuft ganz anders, als in dem besser
situierten Wohnviertel von Eichwalds. Hier ist es vormittags einigermaßen ruhig,
man kann sogar Vögel singen hören!! Das eigentliche Leben beginnt am Nachmittag
und Abend. Selbst die kleinen Kinder bleiben bis spät in die Nacht auf – es
bringt sie auch niemand zu Bett – sie schlafen, wenn sie müde sind. Laute Musik,
kläffende Hunde, Motorradlärm etc., all das bestimmt die Nächte. Es ist eben
alles ganz anders! Und dennoch: wir sind gerne hier, genießen unsere eigene,
sehr spartanisch eingerichtete, Wohnung und eben genau diese Andersartigkeit,
die uns seitens des brasilianischen
Lebens entgegenschlägt.
Erste
Begegnungen
Inzwischen sind wir in die
ersten Kinderprogramme eingetaucht, haben die Arbeit von Casa Esperanca etwas
genauer kennen gelernt und sind bereits einigen Kindern begegnet. Selbst in der
Favela gibt es gewaltige Unterschiede zwischen den Armen. Arm ist eben doch
nicht gleich arm. Einige Kinder sind gut erzogen und haben hübsche Kleidung an.
Andere hingegen sind so schlimm verwahrlost, dass jedes Jugendamt in
Deutschland einschreiten würde.
Unsere
erste richtige Begegnung mit Gabriele hatten wir während eines der
wöchentlichen Kinderprogramme. Sie war zum Kinderprogramm gekommen und hatte
darum gebeten draußen, im Vorhof von Casa Esperanca, ihr Bild ausmalen zu
dürfen. Auf die Frage, warum sie das
wolle, erzählte sie, dass sie stinken würde, weil sie letzte Nacht ins Bett
gemacht hatte und ihre Mutter ihr am
Morgen keine sauberen Klamotten gegeben hatte. Sie war also mit den
Anziehsachen der vergangenen Nacht zum Programm gekommen. Auch am Nachmittag
noch lief sie mit den gleichen Klamotten herum. Als wir sie am nächsten Tag
wiedertrafen, hatte sie immer noch das Selbe an und so schickte die
brasilianische Leiterin sie noch vor der biblischen Einheit nach Hause zum
Duschen. 20 Minuten später stand sie wieder in der Tür – ungewaschen und immer
noch in den schmutzigen Sachen. Sie erzählte, dass sie zu ihrer Tante, die
ebenfalls in dem Haus der Familie wohnte, gegangen war, weil die Dusche in
ihrem Wohnbereich war. Die Tante jedoch hatte sie geschlagen und weggeschickt,
weil Gabriele sie aufgeweckt hatte, als sie duschen wollte.
Das Einzige, was wir, Robbe
und ich, momentan für sie und ihre neun Geschwister tun können, ist ihnen zu
zeigen, dass sie wertvoll und geliebt sind, ganz egal, ob sie stinken oder
nicht.
Herzlich grüßen euch, Robbe
und Miriam
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen