Sonntag, 30. Oktober 2011

Der alltägliche Wahnsinn ;-)


Frühstück

Es ist ein warmer Morgen. Der Kindersaal von Casa Esperanca ist liebevoll hergerichtet. Auf den kleinen Tischen liegen hellgrüne Deckchen und die kleinen Plastikstühlchen sind, farblich passend, um die Tische angeordnet. Die erwarteten Gäste sind zwischen zwei und fünf Jahren alt und werden von uns Mitarbeitern bei ihren Familien abgeholt. Obwohl es schon 10:00 ist schlafen die meisten Kinder noch und werden durch unser Abholen geweckt. Viele von ihnen haben kein Frühstück gegessen wenn sie zu den Kinderprogrammen kommen. Und heute nun hat Aurea, die brasilianische Leiterin, ein Frühstück für die Kleinen „Ovelhinhas“ (Schäfchen) angesetzt. Schon bald haben sich die Tische gefüllt und es werde belegt Brote und kleine Schokotörtchen verteilt. Dazu gibt es Kakao. Wenig später schon hört man es schmatzen und immer wieder erzählen. Es scheint den Kleinen zu schmecken. Doch da verweigert plötzlich ein vierjähriges Mädel ihren Kakao. „Ich will Kaffee haben“, sagt sie und tatsächlich, Aurea gibt ihr Kaffee (wenn auch etwas widerwillig). Nun wollen auch einige andere Kinder Kaffee haben. Sie kennen keinen Kakao zum Frühstück. Ihr Frühstück besteht wenn, dann oft aus zuckersüßem Kaffee. Nun sind alle zufrieden. Die einen schlürfen ihren Kakao, die anderen ihren Kaffee. Und wir Deutschen schütteln den Kopf und sind wiedermal seltsam berührt, von dieser ganz anderen Art zu leben.

Unsere Dusche

Eine andere Art zu leben, ergibt sich für uns in letzter Zeit auch was unsere Dusche angeht. Die Dusche an sich besteht aus einem Wasserventil an der Wand, an dem sich das Wasser auf- oder zu-drehen lässt und dem Duschkopf, der einen Boiler beinhaltet und sich auf drei Stufen schalten lässt: heiß, kalt und lauwarm. Der Wasserdruck ist maßgeblich beeinflusst von der Distanz der Dusche zum Wasserbehälter auf dem Dach des Hauses, was in unserem Fall bedeutet, dass wir kaum Wasserdruck haben, da wir im oberen Stockwerk wohnen. Unser Duschkopf nimmt uns das übel und bestraft uns, indem das heiße Wasser fast kocht, das lauwarme Wasser einem die Haut verbrennt und das kalte Wasser weiterhin arktisch kalt ist. Um doch noch einigermaßen angenehm duschen zu können, verhelfen wir uns mit einem Kochtopf, fangen das heiße Wasser (aus der lauwarmen Einstellung) damit auf, mischen es am Waschbecken mit kaltem Wasser und begießen uns danach aus dem Topf. Man wird halt erfinderisch!

Felipe

Wenn man weiß, dass man ein halbes Jahr in einem Slumgebiet arbeiten wird, dann bereitet man sich im Vorfeld seelisch und emotional auf einiges vor. Man rechnet mit dem Schmutz und dem Dreck, den ärmlichen Behausungen, dem Lärm und dem Gestank. Man rechnet mit keifenden Müttern, mit verlausten und verhaltensauffälligen Kindern, mit betrunkenen Männern, mit Obdachlosen, Kleinkriminalität und Drogengeschäften auf offener Straße. Aber womit wir nicht  gerechnet hatten war Felipe. Felipe ist neun Jahre alt, wohnt mit seiner Familie direkt in einer Wohnung über dem Kindersaal und besuchte regelmäßig und mit viel Freude die Kinderprogramme. Doch jetzt ist alles anders. Als wir ihn kennenlernen, hat er ein eingefallenes Gesicht, er trägt ein Basecap, denn Haare hat er keine mehr. Felipe hat Krebs! Einen Hirntumor, der inoperabel ist und trotz Chemotherapie weiter wächst. Inzwischen hat der Krebs im Körper des kleinen Jungen Metastasen gestreut. Es sieht nicht gut aus für Felipe. Wenn er sehr schwach ist wird er ins Krankenhaus eingeliefert und erhält dort Bluttransfusionen. Ernährt wird er nur noch mit einer speziellen Nährlösung. Wenn Gott kein Wunder tut, dann hat Felipe keine Chance. Hier beten viele für ein Wunder. Unsere Bitte an euch wäre, dass ihr, wenn ihr wollt, betet, dass Gottes Wille geschieht. Gott kann beides tun: er kann eine wundersame Heilung schenken, aber er kann auch Felipe zu sich holen und dann wäre die Bitte, dass Gott sein Sterben erleichtern möge und die Schmerzen nimmt. Lasst euch einfach von Gott im Gebet leiten.
Herzlich grüßen euch, Miriam und Robbe

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