Frühstück
Es ist ein warmer Morgen. Der
Kindersaal von Casa Esperanca ist liebevoll hergerichtet. Auf den kleinen
Tischen liegen hellgrüne Deckchen und die kleinen Plastikstühlchen sind,
farblich passend, um die Tische angeordnet. Die erwarteten Gäste sind zwischen
zwei und fünf Jahren alt und werden von uns Mitarbeitern bei ihren Familien
abgeholt. Obwohl es schon 10:00 ist schlafen die meisten Kinder noch und werden
durch unser Abholen geweckt. Viele von ihnen haben kein Frühstück gegessen wenn
sie zu den Kinderprogrammen kommen. Und heute nun hat Aurea, die brasilianische
Leiterin, ein Frühstück für die Kleinen „Ovelhinhas“ (Schäfchen) angesetzt.
Schon bald haben sich die Tische gefüllt und es werde belegt Brote und kleine
Schokotörtchen verteilt. Dazu gibt es Kakao. Wenig später schon hört man es
schmatzen und immer wieder erzählen. Es scheint den Kleinen zu schmecken. Doch
da verweigert plötzlich ein vierjähriges Mädel ihren Kakao. „Ich will Kaffee
haben“, sagt sie und tatsächlich, Aurea gibt ihr Kaffee (wenn auch etwas
widerwillig). Nun wollen auch einige andere Kinder Kaffee haben. Sie kennen
keinen Kakao zum Frühstück. Ihr Frühstück besteht wenn, dann oft aus
zuckersüßem Kaffee. Nun sind alle zufrieden. Die einen schlürfen ihren Kakao,
die anderen ihren Kaffee. Und wir Deutschen schütteln den Kopf und sind
wiedermal seltsam berührt, von dieser ganz anderen Art zu leben.
Unsere Dusche

Eine andere Art zu leben, ergibt sich
für uns in letzter Zeit auch was unsere Dusche angeht. Die Dusche an sich
besteht aus einem Wasserventil an der Wand, an dem sich das Wasser auf- oder zu-drehen
lässt und dem Duschkopf, der einen Boiler beinhaltet und sich auf drei Stufen
schalten lässt: heiß, kalt und lauwarm. Der Wasserdruck ist maßgeblich
beeinflusst von der Distanz der Dusche zum Wasserbehälter auf dem Dach des
Hauses, was in unserem Fall bedeutet, dass wir kaum Wasserdruck haben, da wir
im oberen Stockwerk wohnen. Unser Duschkopf nimmt uns das übel und bestraft uns,
indem das heiße Wasser fast kocht, das lauwarme Wasser einem die Haut verbrennt
und das kalte Wasser weiterhin arktisch kalt ist. Um doch noch einigermaßen
angenehm duschen zu können, verhelfen wir uns mit einem Kochtopf, fangen das
heiße Wasser (aus der lauwarmen Einstellung) damit auf, mischen es am
Waschbecken mit kaltem Wasser und begießen uns danach aus dem Topf. Man wird
halt erfinderisch!
Felipe
Wenn
man weiß, dass man ein halbes Jahr in einem Slumgebiet arbeiten wird, dann
bereitet man sich im Vorfeld seelisch und emotional auf einiges vor. Man
rechnet mit dem Schmutz und dem Dreck, den ärmlichen Behausungen, dem Lärm und
dem Gestank. Man rechnet mit keifenden Müttern, mit verlausten und
verhaltensauffälligen Kindern, mit betrunkenen Männern, mit Obdachlosen,
Kleinkriminalität und Drogengeschäften auf offener Straße. Aber womit wir nicht gerechnet hatten war Felipe. Felipe ist neun
Jahre alt, wohnt mit seiner Familie direkt in einer Wohnung über dem Kindersaal
und besuchte regelmäßig und mit viel Freude die Kinderprogramme. Doch jetzt ist
alles anders. Als wir ihn kennenlernen, hat er ein eingefallenes Gesicht, er trägt
ein Basecap, denn Haare hat er keine mehr. Felipe hat Krebs! Einen Hirntumor,
der inoperabel ist und trotz Chemotherapie weiter wächst. Inzwischen hat der
Krebs im Körper des kleinen Jungen Metastasen gestreut. Es sieht nicht gut aus
für Felipe. Wenn er sehr schwach ist wird er ins Krankenhaus eingeliefert und
erhält dort Bluttransfusionen. Ernährt wird er nur noch mit einer speziellen
Nährlösung. Wenn Gott kein Wunder tut, dann hat Felipe keine Chance. Hier beten
viele für ein Wunder. Unsere Bitte an euch wäre, dass ihr, wenn ihr wollt,
betet, dass Gottes Wille geschieht. Gott kann beides tun: er kann eine
wundersame Heilung schenken, aber er kann auch Felipe zu sich holen und dann
wäre die Bitte, dass Gott sein Sterben erleichtern möge und die Schmerzen
nimmt. Lasst euch einfach von Gott im Gebet leiten.
Herzlich
grüßen euch, Miriam und Robbe
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