Donnerstag, 17. November 2011

Spiderwoman?


Wahrscheinlich gibt es keinen unter euch, der die Story von Spiderman nicht kennt. Ein durchschnittlich begabter Teenager wird von einer Spinne gebissen und verwandelt sich zu einem Spinnenmenschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. An eben diese Story mussten wir denken, als Aurea vor Miri stand und den rötlichen und angeschwollenen Ausschlag betrachtete, der eines morgens plötzlich da war und seitdem immer größer wurde und die unangenehmen Eigenschaften entwickelte, zu jucken und zu brennen. Aurea also inspizierte Miris Gesicht, nickte dann wissend und meinte: „Dich hat eine Spinne gebissen.“ Ungläubig starrten wir sie an. Spinnen und beißen? Okay, man kennt das von Taranteln und Vogelspinnen (obwohl die ja zustechen und nicht beißen), aber wir waren nicht einmal annähernd in der Nähe von diesen Tierchen gewesen. Aurea hingegen wirkte nicht im Geringsten überrascht. „Du kannst eine Creme dafür kaufen und dann geht es wieder weg.“ Die Kinder in den Programmen, die ebenfalls fragten, was mit Miris Gesicht passiert sei, waren auch nicht überrascht, als sie hörten, dass der Ausschlag wahrscheinlich durch eine Spinne verursacht wurde. Auch sie nickten wissend und meinten: „Ach ja, da gibt’s ne Creme, die kannst du draufmachen.“ Also stapften wir zur Apotheke, wo der Apotheker nun ebenfalls Miris Gesicht begutachtete und ihr eine Creme gegen die Infektion mitgab. Inzwischen scheint es ein wenig besser zu werden. Die betroffene Stelle ist nicht mehr geschwollen und weniger gerötet – ein gutes Zeichen. Und für alle Besorgten: Miri legt keine gesteigerten Ambitionen an den Tag, plötzlich Wände hochgehen, Spinnennetze spinnen oder sich durch die Luft schwingen zu wollen. Sie wird sich wohl nicht in Spiderwoman verwandeln;-)

Alltägliches

Inzwischen sind wir nun schon einen ganzen Monat hier und haben uns wirklich gut eingelebt. Unsere Tage sind bestimmt von den Kinderprogrammen und manchen zusätzlichen Aktionen, wie z.B. Gemeindeveranstaltungen oder Portugiesisch Unterricht, den wir zweimal die Woche haben. Robbe studiert nebenbei mit sehr viel Freude Ethnologie, den zweiten Pflichtteil seines Studiums,  und ist immer wieder begeistert über all die neuen kulturellen Erkenntnisse, die er aus seinen Büchern zieht. Immer wieder werden seine Studieninhalte Anlass zur Diskussion und zur Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der brasilianischen Kultur. Miri ihrerseits beobachtet und reflektiert unsere Erlebnisse in kurzen Berichten, die sie später für die Doktorarbeit verwenden will. Gleichzeitig hilft uns genau das, manche aufschreckende Situation zu verarbeiten. Obwohl wir von der Sprache noch nicht viel verstehen und noch weit davon entfernt sind, sie wirklich gut sprechen zu können, haben wir trotzdem die Möglichkeit, mit den Kindern zu interagieren. Bei gemeinsamen Spielen, beim Basteln und Malen und vor allem durch das Abholen der Kinder zu den Kinderstunden, entstehen Beziehungen. Dies zeigt sich uns dann darin, dass die Kinder uns nun auch begrüßen, voller Neugier wissen wollen, wo wir wohnen oder unsere Nähe suchen, selbst wenn sie eigentlich keine „Kuschelkinder“ sind. Auch die Kleinsten und scheusten Kinder wollen nun von uns auf die Arme genommen werden oder lassen sich ohne Widerspruch an uns abgeben, wenn die großen Geschwister, die meist auf sie aufpassen sollen, mit anderen Dingen beschäftigt sind. Wir sind dabei hier unseren Platz zu finden und daher besonders dankbar für Aurea und Merivaldo (das brasilianische Pastorenehepaar), dass uns quasi adoptiert hat und stets darum besorgt ist, dass es uns gut geht und es uns wirklich an nichts mangelt (was man auch daran merkt, dass sie uns Sonntags oft zum Mittagessen, Abendbrot oder zu beidem einladen, damit wir nicht so allein sind, wie sie sagen). Und wir haben inzwischen auch eine neue Dusche, was das duschen erheblich erleichtert! Wir merken, dass Gott uns versorgt, mit dem was wir brauchen. Und dafür sei ihm alle Ehre.
Herzlich grüßen euch
Robbe und Miriam

Keine Kommentare: