Spiderwoman?

Wahrscheinlich gibt es keinen unter
euch, der die Story von Spiderman nicht kennt. Ein durchschnittlich begabter
Teenager wird von einer Spinne gebissen und verwandelt sich zu einem
Spinnenmenschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. An eben diese Story mussten
wir denken, als Aurea vor Miri stand und den rötlichen und angeschwollenen
Ausschlag betrachtete, der eines morgens plötzlich da war und seitdem immer
größer wurde und die unangenehmen Eigenschaften entwickelte, zu jucken und zu
brennen. Aurea also inspizierte Miris Gesicht, nickte dann wissend und meinte:
„Dich hat eine Spinne gebissen.“ Ungläubig starrten wir sie an. Spinnen und
beißen? Okay, man kennt das von Taranteln und Vogelspinnen (obwohl die ja
zustechen und nicht beißen), aber wir waren nicht einmal annähernd in der Nähe
von diesen Tierchen gewesen. Aurea hingegen wirkte nicht im Geringsten
überrascht. „Du kannst eine Creme dafür kaufen und dann geht es wieder weg.“ Die
Kinder in den Programmen, die ebenfalls fragten, was mit Miris Gesicht passiert
sei, waren auch nicht überrascht, als sie hörten, dass der Ausschlag
wahrscheinlich durch eine Spinne verursacht wurde. Auch sie nickten wissend und
meinten: „Ach ja, da gibt’s ne Creme, die kannst du draufmachen.“ Also stapften
wir zur Apotheke, wo der Apotheker nun ebenfalls Miris Gesicht begutachtete und
ihr eine Creme gegen die Infektion mitgab. Inzwischen scheint es ein wenig
besser zu werden. Die betroffene Stelle ist nicht mehr geschwollen und weniger
gerötet – ein gutes Zeichen. Und für alle Besorgten: Miri legt keine
gesteigerten Ambitionen an den Tag, plötzlich Wände hochgehen, Spinnennetze
spinnen oder sich durch die Luft schwingen zu wollen. Sie wird sich wohl nicht
in Spiderwoman verwandeln;-)
Alltägliches

Inzwischen
sind wir nun schon einen ganzen Monat hier und haben uns wirklich gut
eingelebt. Unsere Tage sind bestimmt von den Kinderprogrammen und manchen
zusätzlichen Aktionen, wie z.B. Gemeindeveranstaltungen oder Portugiesisch
Unterricht, den wir zweimal die Woche haben. Robbe studiert nebenbei mit sehr
viel Freude Ethnologie, den zweiten Pflichtteil seines Studiums, und ist immer wieder begeistert über all die
neuen kulturellen Erkenntnisse, die er aus seinen Büchern zieht. Immer wieder
werden seine Studieninhalte Anlass zur Diskussion und zur Auseinandersetzung
mit den Besonderheiten der brasilianischen Kultur. Miri ihrerseits beobachtet
und reflektiert unsere Erlebnisse in kurzen Berichten, die
sie später für die Doktorarbeit verwenden will. Gleichzeitig hilft uns genau
das, manche aufschreckende Situation zu verarbeiten. Obwohl wir von der Sprache
noch nicht viel verstehen und noch weit davon entfernt sind, sie wirklich gut
sprechen zu können, haben wir trotzdem die Möglichkeit, mit den Kindern zu
interagieren. Bei gemeinsamen Spielen, beim Basteln und Malen und vor allem
durch das Abholen der Kinder zu den Kinderstunden, entstehen Beziehungen. Dies
zeigt sich uns dann darin, dass die Kinder uns nun auch begrüßen, voller
Neugier wissen wollen, wo wir wohnen oder unsere Nähe suchen, selbst wenn sie
eigentlich keine „Kuschelkinder“ sind. Auch die Kleinsten und scheusten Kinder
wollen nun von uns auf die Arme genommen werden oder lassen sich ohne
Widerspruch an uns abgeben, wenn die großen Geschwister, die meist auf sie
aufpassen sollen, mit anderen Dingen beschäftigt sind. Wir sind dabei hier
unseren Platz zu finden und daher besonders dankbar für Aurea und Merivaldo
(das brasilianische Pastorenehepaar), dass uns quasi adoptiert hat und stets
darum besorgt ist, dass es uns gut geht und es uns wirklich an nichts mangelt
(was man auch daran merkt, dass sie uns Sonntags oft zum Mittagessen, Abendbrot
oder zu beidem einladen, damit wir nicht so allein sind, wie sie sagen). Und
wir haben inzwischen auch eine neue Dusche, was das duschen erheblich erleichtert!
Wir merken, dass Gott uns versorgt, mit dem was wir brauchen. Und dafür sei ihm
alle Ehre.
Herzlich
grüßen euch
Robbe
und Miriam
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